Coworking – Büro, Gemeinschaft, weltweit

Coworking – Büro, Gemeinschaft, weltweit

  1. 2005 in Kalifornien – Brad Neuberg will “Büro” und “Gemeinschaft” neu erfinden. Und gründet den ersten Coworking-Space der Welt.
  2. 2012 in Königstein – „Anschlußgarantie für Mensch und Laptop“, Jean-Paul Booms eröffnet den 1.299ten Coworking-Space der Welt.
  3. 2013 weltweit – eine Bewegung mit 5 Grundwerten und 200.000 KollegInnen in über 2.000 Coworking Spaces.
  4. Coworking Visa – aus Königstein verbunden mit New York, Rio, Tokio…
  5. Newsletter – News per E-Mail erhalten

2005 in Kalifornien – Brad Neuberg will “Büro” und “Gemeinschaft” neu erfinden. Und gründet den ersten Coworking-Space der Welt.

Der bei Google angestellte Programmierer macht sich 2005 selbständig und genießt seine neue Freiheit.

Doch er merkt schnell, daß „selbständig“ auch „selbst“ und „ständig“ und viel „alleine“ bedeuten kann.

Er träumt davon, die neue Freiheit mit der Struktur und Dynamik durch die ehemaligen Kollegen zu kombinieren. Wie bei so mancher guten Idee, fängt alles ganz klein in der Spiral Muse an (yep, very San-Francisco-Lifestyle…). Aus seiner E-Mail zur Eröffnung:

„Traditionally, society forces us to choose between working at home for ourselves or working at an office for a company. If we work at a traditional 9 to 5 company job, we get community and structure, but lose freedom and the ability to control our own lives. If we work for ourselves at home, we gain independence but suffer loneliness and bad habits from not being surrounded by a work community.“

Ein Coworking Space ist also eine Art Bürogemeinschaft – moderner und wesentlich dynamischer.

Denn ein Coworking Space ist offen für Tagesgäste und Teilzeit-Mieter, beherbergt Veranstaltungen und nimmt Anteil am sozialen und kulturellen Leben seiner Stadt.

Hier sprechen Brad Neuberg und einige andere Space-Betreiber über die Motivation und die Vorteile dieser neuen Form des Arbeitens: > Video ansehen.

Brad Neuberg

Brad Neuberg über den Start von Coworking im Jahr 2005

PS:Oft verbreitet, aber nicht wahr: Brad Neuberg hat Coworking nicht in einem Mietbüro eines bekannten Anbieters begonnen. Wahr ist: Er hat es dort als Kombination der Nachteile eines klassischen Büros und der Nachteile des Homeoffice empfunden. Daraus entstand die Motivation zur Gründung der Coworking Bewegung.

2012 in Königstein –  „Anschlußgarantie für Mensch und Laptop“, Jean-Paul Booms eröffnet den 1.299ten Coworking-Space der Welt.

Denn ich weiß aus der Erfahrung von 20 Jahren Selbständigkeit, daß die magischen Momente und guten Ideen im spontanen Austausch mit anderen schneller, leichter und öfter passieren.

Irgendwann 2009 hörte ich über meine Beschäftigung mit dem Thema Communitys im Internet zum ersten Mal von der Coworking-Community.Die Initiative von Brad Neuberg hatte schnell viele Selbständige überzeugt – denn für sie ist es die richtige Antwort auf die weltweiten Veränderungen, nicht nur in der Arbeitswelt.

Brad Neuberg ist noch bei den Neugründungen The Hat Factory (2006 bis 2010, erster Vollzeit-Space) und Citizen Space in San Francisco dabei, 2007 öffnen in Philadelphia und Seattle Independents Hall und Office Nomads ihre Türen. Anfang 2008 gibt es bereits über 30 Coworking Spaces – auch außerhalb der USA. Hier noch ein paar Statements und Bilder aus den Anfangszeiten > Video ansehen.

Jeder Space hat seine eigene Identität und interpretiert dieses neue “Coworking” individuell. Aber es wird schnell klar, daß sich hier eine Bewegung entwickelt, die auf gemeinsame Werte setzt – inspiriert von den Open Source– und Barcamp-Bewegungen.

Das fand ich spannend und wollte seither meinen eigenen Space gründen. Nach viel Vorarbeit war es Ende 2011 soweit – ich brachte die Traute auf, die Gründung eines der wenigen Coworking Spaces in einer Kleinstadt zu wagen. Seit Februar 2012 ist der Space mit den ersten Nutzern in der Betaphase – und bietet, beschrieben mit den treffenden Worten der Taunuszeitung vom 23.01.2013 „Anschlußgarantie für Mensch und Laptop“ – in „Kollegen auf Zeit„.

Jean-Paul Booms über die Coworking-Bewegung im Jahr 2012.

Jean-Paul Booms über die Coworking-Bewegung im Jahr 2012.

PS:Coworking Spaces in Kleinstädten werden häufig zu Treffpunkten für Selbständige, die neue Formen der Zusammenarbeit suchen oder die außerhalb der klassischen Strukturen Werte schaffen. Der Coworking Space Königstein unterstützt deshalb auch den 2012 gegründeten “Verband für Gründer und Selbständige e.V.”, sein Ziel: “Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby – bisher haben sie keine. Ein kleinunternehmerfeindliches Gesetz jagt das nächste. Das ist möglich, weil vorhandene Verbände sowie Kammern nicht oder nicht ausreichend die Interessen von Einzelunternehmern und kleinen Unternehmen vertreten.” Mehr auf der Website vgsd.de .

2013 weltweit – eine Bewegung mit 5 Grundwerten und 200.000 KollegInnen in über 2.000 Coworking Spaces.

Das sind die beeindruckenden Zahlen der 3. weltweiten Coworking-Umfrage des Fachmagazins deskmag. Der Erfolg von Coworking ist nicht ohne die Grundwerte denkbar, die ihre Wurzeln in den Open Source- und Barcamp-Bewegungen haben.
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Die 5 Grundwerte der Coworking-Bewegung sind: Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Offenheit, Zugänglichkeit.

Alex Hillmann von Indy Hall in Philadelphia hat sich viel Mühe gemacht und die Grundwerte ausführlich erklärt. Seine Interpretation gefällt mir sehr gut, zusätzlich zu einer kurzen Zusammenfassung verlinke ich auf seinen jeweiligen Artikel.

Gemeinschaft:

Eine unterstützende und bereichernde Gemeinschaft zu bilden, ist eines der wichtigsten Ziele für einen Coworking Space. Weltweit sind interessante Gruppen entstanden, die so unterschiedlich sind, wie die Spaces, in denen sie sich treffen.

Zugänglichkeit:

Ein Coworking Space gewinnt einen Teil seiner Dynamik daraus, daß ganz verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Berufen und Erfahrungen zusammen kommen können. (Und: freiwillig zusammen kommen wollen!) Was daraus entsteht? Denken Sie vielleicht an die Idee der USA als “melting pot” im Kleinen und an Rudi Carells “Laß´ Dich überraschen…”

Zusammenarbeit:

Ist auf den ersten Blick relativ generisch zu Gemeinschaft, denn ohne Zusammenarbeit ist Gemeinschaft nicht wirklich möglich. Was die Zusammenarbeit in einem Coworking Space so spannend macht, ist die Anwesenheit von vielen Selbständigen. Also von pro-aktiven Unterstützern, die auch genügend Souveränität und Neugierde haben, um sich mal aus einer ganz unerwarteten Ecke unterstützen zu lassen.

Offenheit:

Die Gründer der Coworking-Bewegung haben viele Elemente der Open Source Software-Bewegung und der Barcamps übernommen. Elemente dieser Offenheit sind Freiheit, Individualisierbarkeit und Zurückgeben.

Freiheit – wie die Freiheit autonom entscheiden zu können (z.B. wo, wann und für wen man arbeitet). Die Freiheit, eine Idee (wie Coworking) um die persönliche Interpretation zu erweitern oder die Gemeinschaft (in einem Space) mit seinen eigenen Ideen zu bereichern. Und wer von etwas profitiert, das andere (mit-) geschaffen haben, der behält das nicht einfach für sich, sondern gibt auch viel zurück.

Nachhaltigkeit:

Natürlich auch im Sinn von ökologischer Nachhaltigkeit und Ressourcen-Teilung verstanden. Ein Coworking Space steht aber auch für geschäftliche Nachhaltigkeit. Zum einen für den Coworking Space selbst – er muß eine gute finanzielle Grundlage erwirtschaften um bestehen, wachsen und unabhängig sein zu können. Zum anderen aber auch auch für die Geschäftsmodelle der Coworker, denn das Business soll nicht nur erfüllen, sondern auch ernähren.

PS:Sicher ist, daß die Coworking Bewegung weiter dynamisch wächst. Aber Achtung! Denn mittlerweile nutzen auch einige Mietbüros, Business Center oder Unternehmen mit zu großen Büroflächen den guten Namen von Coworking. Manche kennen die Werte einfach nicht und eignen sich unreflektiert den Namen an, manche ignorieren die Werte ganz bewusst.

Coworking Visa weltweit – aus Königstein verbunden mit New York, Rio, Tokio…

… aber auch mit Karachi und Dakar, mit Johannesburg und Hong Kong, mit Vilnius und Seoul, mit Dehli und Dublin.

Das Visa-Programm ermöglicht Mitgliedern eines Coworking Spaces für einige Tage kostenlos in einem anderen Space in Deutschland und im Ausland zu arbeiten. Die Anzahl der Tage ist dabei unterschiedlich – generell sind es 3 Tage, Spaces in sehr gefragten Städten haben natürlich andere Arrangements. Zur Zeit nehmen über 200 Coworking Spaces auf der Welt am Visa-Programm teil – und es werden immer mehr.

Für die Reisplanung und die genauen Konditionen der einzelnen Coworking Spaces gibt es das Wiki: http://wiki.coworking.info/w/page/16583744/CoworkingVisa

PS:Warum nicht mal während der Kaffeepause verreisen? Zum Beispiel zu den KollegInnen in Manila

Warum nicht mal während der Kaffeepause verreisen?

 

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